Wo sind meine Gurte?
Der Eingriff in das Leben des sonderbaren Mädchens Michaela

Michaela kann nichts ohne Unterstützung tun: weder gehen, stehen oder sitzen. Auf sich und ihre Umwelt reagiert sie zerstörend: sie schlägt, tritt, spuckt und schreit. "Die Gurte! Festbinden!", ruft sie, verlangt nach dem Mittel, das sie bisher gebändigt hat. Die meisten ihrer siebzehn Lebensjahre verbrachte Michaela mechanisch oder medikamentös fixiert: durch Gurte oder Tabletten oder im Griff ihrer Betreuer.

Sie kam zur Therapie in die Bremer Universität, weil ein Mitarbeiter der süddeutschen Einrichtung, in der Michaela seit sieben Jahren lebt, von Professor Georg Feusers Experimenten mit sogenannten austherapierten schwerstbehinderten Patienten gehört hatte. Für einen festgelegten Zeitraum holt Feuser einen "hoffnungslosen Fall" in die Uni. Unterstützt wird er von Studentinnen und Studenten. Solange das Experiment läuft, leben alle unter Laborbedingungen in den Räumen des Sonderforschungsbereichs. Der Alltag der zumeist jungen Patienten wird in dieser Zeit vollkommen auf den Kopf gestellt. Zum ersten Mal in ihrem Leben wurde Michaela gefordert statt beruhigt. Vier Wochen lang, von morgens acht bis abends acht Uhr. Was dort mit ihr geschah, wie sie darauf reagierte, wie die Beteiligten damit fertig wurden und wie es danach mit Michaela weiterging, davon wird in diesem Feature erzählt. Über sieben Monate hat die Autorin den Versuch einer Neuprogrammierung begleitet.

 

Produktion NDR/RB, 2000